Tja, die sogenannte Planung... Am Anfang stand der Traum, eine eigene na nennen wir es mal "WolkenSCHEUNE" zu bewohnen - denn ein Schloß können wir uns nicht leisten. Aber unsere Scheune umbauen und noch etwas anbauen, das sollten wir schaffen - hat sich mein Göttergatte so gedacht... Damit der geneigte Leser ein ungefähres Bild der Umstände vor Augen hat und bei all den im Folgenden genannten Scheunen, Stallgebäuden, Wohnhäusern, Neubauten, Anbauten, Werkstätten etc. den Überblick nicht verliert, sollte er sich unbedingt die hier verlinkten Skizzen zu Gemüte führen!
Zurück zum Anfang. Also eine eigene Behausung mußte her. 1996 war mein Bauherr ja aus studentischer Not heraus und auch aus familiären Gründen zu seinem Opa auf's Dorf gezogen. Dort baute er sich dann einige Zimmer aus, wobei die Hälfte als Zimmer schon existierte und nur noch modernisiert werden mußte - die andere Hälfte war aber noch fensterloser Heuboden und mußte mühsamst in ein großes, 5 Meter hohes WOhnzimmer mit Maisonette-Schlafzimmer umgewandelt werden. Eine ganz schöne Leistung! Nachteil - der Zugang war nur über die Wohnung vom Opa bzw. später von meiner Schwiegermutti aus möglich, was auf Dauer kein Zustand ist. Außerdem verteilte sich die Wohnung ja auch auf zwei verschiedene Häuser und die Raumaufteilung war ungünstig und Platz für etwaigen Nachwuchs hatten wir auch nicht. Und auf dem Hof stapelten sich ständig unsere drei Autos über-, neben- und hintereinander, und das, obwohl hier zwei Garagen waren - allerdings Trabi-Garagen, in die nicht mal ein Ford Fiesta paßt... Abgesehen davon stapelte sich auch noch was überall - Krempel. Anders kann man es nicht bezeichnen, einfach jahrelang angesammeltes Zeug, tonnenweise in der Werkstatt, dem Schuppen, der großen Scheune... Werkzeug, Baumaterial, Autoteile, Gartengeräte, irgendwelche alten landwirtschaftlichen Maschinen, Zeug Kram ... In DDR-Zeiten hat man halt alles gesammelt und aufgehoben, da man nie wußte, ob man eventuell benötigte Ersatzteile oder Materialien bekommt, wenn man sie braucht. Und etwaige Übervorräte konnte man ja auch bei Gelegenheit gegen Nützliches umtauschen...
Fakt ist, Stephan kam auf die Idee, die Werkstatt abzureißen und stattdessen was Neues zu bauen, was einen eigenen Eingang für uns, Garagen und das eine oder andere Zimmer beinhaltet. Eine Trennung der Häuser bei der Gelegenheit wäre natürlich sinnvoll. Also fing er an, nach und nach alles um- und auszuräumen - siehe "Abriß"... Und parallel dazu suchten wir uns einen Architekten, der unseren Anbau planen sollte - Anfang März 2004 hatten wir die erste Besprechung. Dabei sollte alles schööön geruhsam vonstatten gehen - nur keine Hektik. Der Baubeginn sollte ja erst im Frühjahr 2005 sein.
Also nach über einem Jahr (!) stand ja sogar schon die Ausführungsplanung, ein Hin und Her war das bei manchen Details, dazwischen noch der Abriß, der nicht nur wegen dem Unfall langsamer voranging als gedacht, und die Finanzierung mußte ja auch noch geklärt werden. Zu diesem Zwecke gab es einige Rendezvous mit dem Notar und meiner Schwiegermutti und Schwägerin, um die Besitzfragen am Grundstück und den Häusern zu klären, und die Grundschuldeintragung und die Abgeschiedenheitserklärung gab's ja auch noch - jedes Mal ein Frage von ein paar Wochen. Angefangen mit dem Termin beim Notar (wann haben alle Beteiligten auch mal gleichzeitig Zeit), Vertragsentwurf oder Antragsentwurf, Antrag einreichen bei den verschiedenen Ämtern, deren Bearbeitungszeit, dann Rechnung bezahlen...

Zwischendurch wechselten unsere Vorstellungen und Ideen vom Haus und dessen Aufteilung fast täglich wenn nicht gar stündlich! Furchtbar! Zum Glück ging es ja Ende Mai 2005 richtig los, sodaß diese ewigen Wenns und Abers und Könntes und Vielleichts größtenteils überflüssig wurden... Stattdessen zerbrechen wir uns jetzt natürlich in genau dem selben Ausmaß über den Innenausbau und Einrichtung den Kopf, keine Angst - das Grübeln und Pläne schmieden stirbt zuletzt!
Wenn man bedenkt, daß es uns ursprünglich nur um einen eigenen Hauseingang und damit verbunden zwangsläufig um ein Treppenhaus ging sowie um Garagen, dann kann man nicht schlecht staunen, was für ein "Riesending" mittlerweile draus geworden ist. Mit dem alten Stallgebäude, wo sich unser Wohnzimmer der alten Wohnung drin befindet, ist unser Haus 21 Meter lang, im Schnitt 5,50 Meter tief, insgesamt eine Grundfläche von 120 qm. Klingt ganz schön protzig. Andererseits wäre es ja aber auch Quatsch gewesen, einen Garagenflachbau hinzustellen (häßlich, verboten vom Denkmalamt), auf den man dann in zwei Jahren o.ä. sowieso noch ein oder zwei (Kinder)Zimmer draufbauen muß (doppelter Aufwand). Und die meisten vergessen beim Anblick der langen Front, daß das Haus nicht sonderlich tief ist, sondern eher ein Schlauch, daß in der Grundfläche zwei Garagen enthalten sind (o.k., nicht gerade kleine Garagen, aber eben nicht bewohnbare Fläche), und daß das Dach so gut wie nicht ausgebaut ist sondern die oberen Zimmer alle 4,5 bzw. 5 Meter hoch sind.

Ich hätte vorher auch nie gedacht, über wieviele und welche Details man sich so Gedanken machen muß beim Hausbau - will man nun Stufenhöhe 18,5 cm oder 19,5 cm? Wo führt die Regenrinne lang, wo endet sie? Einflügelige oder zweiflügelige Einganstür? Wie groß sollte das Vordach sein? Welche Dachziegel gefallen mir? etc. etc. Das meiste davon war mir bis dato ehrlich gesagt nicht einen Gedanken wert. Man denkt über solche Sachen gar nicht nach, wenn man in einem fertigen Haus wohnt, wo diese Dinge schon alltägliche Realität sind.

Nicht gerade hilfreich war bei der ganzen Planerei, daß das Denkmalamt ja auch noch zu allem seinen Senf abgibt und einem reinpfuscht, wo es nur kann (unser Dorf ist ein Flächendenkmal)! Also Fachwerk darf ja auf gar keinen Fall sein, weil ja dieses Haus ursprünglich eine Scheune/Nebengebäude war und dieser Charakter erhalten bleiben muß - und Scheunen haben (angeblich - allerdings WEIT UND BREIT NICHT IN DIESEM DORF!!! Arggg!!) nunmal höchstens eine Holzverkleidung... Soso. Aha. Also bei noch so penetrantem Spionieren auf sämtlichen Nachbarhöfen ist nur eins festzustellen: 100% der Scheunen ab einer Größe oberhalb Klohäuschen sind unten mit Feldsteinen gegründet, auf denen sich FACHWERK befindet! Aber wahrscheinlich sind wir zu blind oderso... Also werden wir nun ein Haus bauen, welches als einziges von insgesamt fünf Gebäuden auf unserem Hof zuzüglich den Nachbargebäuden KEIN Fachwerk hat, sondern eine (völlig angepaßte und natürliche) glatte Fassade. Der nächste Witz sind die Fenster. Diese müssen nämlich mindestens zwei Fensterkreuze aufweisen, WEIL: das in unserer Gegend für Scheunen so üblich ist. Äh...? Fenster in Scheunen?? Mit zig kleinen Querbalken?? Mhm. Grübel... Unser Vorschlag (dank Architekt) waren dann Fenster ohne Holme, aber mit hölzernem Fensterladen, nämlich genauso wie eine normale Heuluke an unseren anderen Gebäuden sowie an all den anderen im Dorf und überall ringsherum. Wieder Anträge, wieder Warterei auf die gnädigen Entscheidungsträger. Zum Glück hat die meiste Antraglast auf dem Architekten geruht... Deutschland, deine Bürokratie. Ehrlich gesagt - gebt mir was zum Schmeißen und stellt mich wahlweise vor's Kanzleramt oder erstmal vor's Denkmalamt - ich tu's!! Ich empfinde das als unerträglichen und bevormundenden Eingriff in meine Privatsphäre - und das bei einem Haus, was von der Straße kaum zu sehen ist! Kreisch! Tschuldigung, geht schon wieder... Schlußendlich dürfen wir es ja nun doch so machen, ohne Fensterkreuze und mit Fensterladen - immerhin... Aber es geht ja mit den Farben schon wieder los - kein Weiß, keine grellen Farben, am liebsten ERDTÖNE! Wie wäre es also mit einem lebensbejahenden Schlammbraun oder einem Gute-Laune-graurot? Super, echt... Zumal man bei jedem zweiten Haus hier eklatante "Regelbrüche" besichtigen kann - wie machen die das nur?? Wahrscheinlich nach dem Motto "Wer viel fragt kriegt auch viele dumme Antworten" und "Was das Denkmalamt nicht weiß..." ...

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